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Samstag, 4. September 2010
Grundschule - Schadstoffe in Containern? PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, 14. Juli 2010

kgs-container-kl.jpgMehrere Kinder der Katholischen Grundschule Olpener Straße klagen seit dem Umzug in Container über Übelkeit und Unwohlsein. Die Eltern vermuten eine zu hohe Konzentration des Schadstoffs Toluol in den Räumen.

 

Brück - Das Lösungsmittel Toluol sorgt bei Brücker Eltern für Wirbel. Seit der Unterricht an der Katholischen Grundschule Olpener Straße zu Ostern wegen der Sanierungsarbeiten am Schulgebäude in Container verlagert wurde, klagen einige der Schüler über Übelkeit und Unwohlsein. Andere leiden an Erkrankungen der Atemwege. Die Eltern verlangen nun vom Gesundheitsamt umfassende Information.


„Als bei meinem Sohn Marlo Antibiotika gegen Erkältungssymptome nicht anschlugen, ließ ich ihn Ende Mai vom Umweltmediziner Gregor Will in Leverkusen untersuchen“, sagt Vater Matthias Frings. Der habe keine Infektion, aber einen erhöhten Toluol-Wert im Urin festgestellt. „Da Marlo über Geruchsbelästigungen im Klassenraum klagte, riet ich dem Vater, sich umgehend mit der Schulleitung in Verbindung zu setzen“, bestätigt Will.

 Das ist Toluol
Toluol ist eine Benzol-Verbindung, die den so genannten Aromaten zugerechnet wird und unter anderem als Lösungsmittel für Farben und Klebstoffe dient. Das Einatmen der Dämpfe kann zu gesundheitlichen Schäden führen. Symptome sind unter anderem Müdigkeit, Unwohlsein, Empfindungsstörungen oder Störungen der Bewegungskoordination. Toluoldämpfe reizen unter anderem die Augen und Atemwege schwer.
Frings informierte daraufhin Thomas Clingen, dessen Tochter Jill wie Marlo die Klasse 4a besucht. Die klagte nach der Schule ebenfalls über Kopfweh und Unwohlsein. Ihr Blutbild bestätigte die Befürchtung.

Clingen: „Der Normbereich von Toluol liegt bei einem Nanogramm pro Milliliter. Jill wies 10,8 Nanogramm auf.“ Die Eltern ließen sich gleich mit untersuchen - mit negativem Befund. Sie vermuten, dass der Schadstoff aus den Farben und Klebstoffen der Schulcontainer entweicht und die Kinder ihn einatmen. Das Gesundheitsamt hat bereits im Frühjahr bei Routine-Messungen der Luft derartige Ausdünstungen festgestellt, sie aber als unbedenklich eingestuft.
„Gerhard Wiesmüller vom Gesundheitsamt hat unsere Bitte nach einer neuen Messung mehrmals abgelehnt. Erst vor wenigen Tagen ist dann doch eine erfolgt“, so Frings weiter. Danach liegen sich die Toluolwerte in den Containern unterhalb der Grenzwerte. Wiesmüllers Erklärung für die hohen Belastungen bei den beiden Kindern: Sie hätten den Stoff auch durch Kauen an Radiergummis oder Malstiften in den Körper aufnehmen können. Das akzeptieren die Väter nicht: „Wir wollen Klarheit.“

Nun kommt Bewegung in die Sache. „Herr Wiesmüller hat heute meinen detaillierten Befund angefordert“, sagte Gregor Will am Dienstag dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Anne Bunte, die Leiterin des Gesundheitsamts, hat für den heutigen Mittwoch die Schulleitung und die Eltern zu einem Gespräch eingeladen. „Uns liegen seit heute die Messergebnisse der Proben vor, die wir vor einer Woche genommen haben.“

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Die will das Gesundheitsamt auf dem Treffen erläutern. Die Werte an Toluol seien geringer als aus den Messungen zu Jahresbeginn und im Frühjahr. Sie als „überzeugte Mutter“ könne die Sorgen der Eltern gut verstehen, sagte Anne Bunte. Auf ihre Mitarbeiter sei zu „100 Prozent Verlass. Die gehen sehr sauber vor und wissen, wo sie zu suchen haben.“ Wiesmüller nehme seine Arbeit sehr ernst. Für die Krankheitssymptome könnten neben Toluol weitere Faktoren verantwortlich sein. Das gelte es herauszufinden. Im Klassenzimmer der 4a seien die geringsten Werte gemessen worden. Die Schulleitung wollte sich auf Nachfrage nicht zu der Angelegenheit äußern.

 

Artikel von Uwe Schäfer im Kölner-Stadt-Anzeiger am 14. Juli 2010

 

Lesen Sie hierzu auch den Artikel vom 1. September 2009

Kommentare
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Spritzendorfer  - Schadstoffe in Schulen   |26.07.2010 13:58
Es überrascht nicht, daß wir regelmäßig Meldungen über Schadstoffbeblastungen in
Schulen erhalten; nach wie vor verabsäumen viele öffentliche Auftraggeber im
Gegensatz zu Städten wie z.B. München, Zürich bereits bei der Ausschreibung
klare Forderungen nach der Raumluftqualität (klar definierte Werte !) anzufügen
und bei Gebäudeübernahme zu überprüfen.
Emissionsreduziertes Bauen ist möglich -
erfordert aber qualifizierte Planer und Bauunternehmen ebenso wie die
ausschließliche Verwendung entsprechend schadstoffgeprüfter Bauprodukte.
Sicherheitsdatenblätter und Merkblätter zu einzelnen Produkten geben dabei
allerdings keinerlei ausreichende Information zum Emissionsverhalten.
Sehr oft
wird aber gerade auch bei Schulen und Kindergärten aus wirtschaftlichen Gründen
auf entsprechende Ansprüche an die Qualität von Produkten und Verarbeitern
verzichtet.
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